Wenn ein Kind sich in ein Tier verliebt, ….

Ein weiterer, kleiner Textbaustein, welcher der Geschichte dienen sollte.
Jeder, der als Kind ein Haustier wollte oder als Elternteil einem Kind klarzumachen versuchte, warum nicht, wird diese Situation kennen.
Sie eignet sich hervorragend für den Part einer Story, einen kleinen Nebenhandlungsstrang, um einiges zu verdeutlichen. Betrachten wir uns selber in der Situation, wie würden wir darauf reagieren?

*****

»Komm, wir sollten los!«
Sein Haar zurückkämmend, die Schuhe anziehend und sich die alte, abgetragene, nichtsdestotrotz liebgewordene Jacke überwerfend, hatte er längst alles für den Spaziergang vorbereitet. Wartete nur noch auf seine Tochter.
Längst war sie fertig, hatte die Tür aufgestoßen und wartete bereits im hellen Sonnenlicht auf ihren Vater. Es war ein guter Tag fürs Rausgehen. Vielleicht ging es ja im Anschluss daran zu ihren Großeltern.
Graumeliert schimmerten die Schläfen im Sonnenlicht, das Alter war ihm kaum anzusehen, wirkte er doch älter, als er wirklich war. Die Ruhe des sonntäglichen Spazierens tat ihm und seiner Tochter ganz gut. Obwohl sie nicht miteinander sprachen, waren es die Vater-Tochter-Stunden, die ihm so wichtig waren.

Mehr schlendernd, als zügig vorwärts gehend, latschten sie an den Häusern vorbei, zogen in Richtung Kirche und von dort zur alten Burg, die inzwischen staatlichen Interessen diente. Lächelnd winkte der diensthabende Soldat dem Mann zu. Nicht das erste Mal war er mit seiner gerade einmal 5 jährigen Tochter in der Kaserne gewesen.

Während er nachdenklich die Wolken betrachtete, suchte sie auf der Wiese nach hübschen Blumen. Emsig darum bemüht, einen schönen Strauß für ihre Mutter zusammenzustellen. War sie sich doch sicher, dass bereits das Essen auf dem Tisch stünde, wenn sie zurückkämen.
Fasziniert betrachtete sie die unterschiedlichsten Farben und Blütenformen. Wo sich im sachten Wind die Gräser bewegten, schoben sie sich beiseite.
Einige Grasbüschel gaben den Blick auf etwas Schwarzes frei. Mitten zwischen den Gräsern hockte ein kleines, Kätzchen.
Ungläubig starrte das Kind das Tier an. Voll Entzücken näherte es sich, während das Kätzchen zurückwich. Versuchte scheu den Abstand zu wahren.
Doch nach einigen Minuten, in denen es sanft, sehr sanft, mit dem Tier sprach, fasste das Kätzchen Vertrauen und trat näher. Überaus vorsichtig näherte es sich dem Kind und ließ sich dann sogar von ihm streicheln.
Beinahe, als hätte es auf diese Zuneigungsbekundung gewartet.
Erstaunt, mehr noch erfreut, kniete das Kind vor dem Tier und strich sanft über dessen leicht strohiges Fell. Die leichte Glatze auf dem Kopf völlig ignorierend, wollte sie dem Tier einfach nur etwas Gutes tun.

»Komm steh auf, wir gehen!«
»Papa, schau mal!«
Seinen Blick vermochte das Kind nicht zu deuten.
»Komm schon!«
»Aber Papa, die Katze hier …«
»Lass sie.«
»Können wir sie nicht mitnehmen? Die gehört bestimmt keinem.«
»Nein. Komm jetzt!«
Strenge lag in der Stimme, als er seine Tochter aufforderte, endlich in die Gänge zu kommen und folgsam hinter ihm herzutraben.
Es sieht dem Kätzchen hinterher, das den Blick erwidert. Etwas ist in diesem Blick, das sie nicht zu deuten vermag.
»Papa, bitte.«
»Nein, komm jetzt.«

Traurig trabte das Kind hinter dem Vater her. Warum durfte sie kein Kätzchen haben?
Blickte mehrmals zurück und sah das Kätzchen ihnen folgen. Es versuchte, Schritt zu halten, aber dafür waren die kleinen Pfötchen zu kurz.
»Papa, schau mal, die will mit!«
Wortlos ging der Mann voran. Minutenlang schwieg er, während er das Drama erahnte.
An der Kreuzung zur Stadt blieb er stehen, sah seine Tochter und das Kätzchen an.
»Sie kommt nicht mit. Sorg dafür, dass sie dir nicht mehr folgt!«
»Warum?«
»Weil es so ist!«
Traurig blickte die Tochter dem Kätzchen in die Augen, wollte mit ihm spielen und es liebhaben. Doch was sollte sie tun? Also lief sie, zurück zur Wiese, bis das Kätzchen sie aus den Augen verloren hatte. Sie spürte, es war nicht richtig. Dennoch hatte ihr Vater das Sagen.
Hinter der Wiese langte sie erneut an die Straße, wo ihr Vater bereits auf sie wartete.
»Du bist alt genug. Es wird keine Katze geben!«
Während die Tochter schwieg und ihrem Vater nach Hause folgte, blickte sie immer wieder zurück zur Wiese, wo sie das Kätzchen vermutete.
Etwas in ihr war zerbrochen, Vertrauen, das sie in ihren Vater hatte, lag angeschlagen in einer Mulde aus Schmerz. Es würde lange dauern, bis sie darüber zu sprechen in der Lage war.

*****

Meinst du, sie finden im Endeffekt doch zueinander? Das Kind und das Kätzchen?

Verbesserungsvorschläge (by-the-way – für konstruktive Kritik und Verbesserungen bin ich immer zu haben):

von Ulrich Lucas:
Bei der Gelegenheit: Darf ich Dir für den ersten Satz einen Tip geben? Aktuell klingt er, als würde der Vater alles gleichzeitig machen, kämmen, Schuhe an, Jacke an. „Überwerfend“ beschreibt eine Tätigkeit, die gerade passiert. („Sich die Jacke im Hinausgehen überwerfend …“) Tatsächlich wartet er ja komplett fertig gemacht auf seine Tochter: „Sein Haar zurück gekämmt, die Schuhe angezogen und die alte, abgetragene, nichtsdestotrotz liebgewordene Jacke übergeworfen, hatte er längst alles für den Spaziergang vorbereitet. Nun wartete er nur noch auf seine Tochter.“

Wird beim Überarbeiten berücksichtigt. 🙂

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